Gran Paradiso  4 061 m  Juli 2006

 

Das Team

Karl H. Peter S. Peter B. Helmut P.
 
 
 
Anfahrt und Hüttenanstieg
 
Im Valsavaranche

 

Wer von Österreich direkt anreist, wird wohl den Weg über die Po-Ebene nehmen. Ob er über den Brenner oder über Villach, Venedig und Padua fährt, ist Geschmacksache, Autobahngebühren fallen auf jeden Fall an. Nach  Mailand zweigt noch vor Turin die Autobahn in das Aostatal ab. Etwa acht Kilometer nach Aosta ist in Villeneuve links über die Brücke die Abzweigung der Strasse ins Valsavaranche. Die Strasse ist asphaltiert, gut beschildert und im Gegensatz zu früher, wo es noch enge einspurige Stellen gab, auch gut ausgebaut. Sogar Busse fahren hinein bis zum Strassenende in Pont.

 
Pont - Albergo Gran Paradiso
 

Am Ende der Strasse, wo sich das Tal weitet, ist die Infrastruktur gut ausgebaut. Das Albergo Gran Paradiso bietet Unterkunft und ein Restaurant. Angeschlossen ist ein sehr idyllisch gelegener Campingplatz und ein kleiner Supermarkt. Ein Handymast, ein großer Parkplatz und ein Klettergarten, wo man die "Alpinakrobaten" aus nächster Nähe bewundern kann, machen diesen Ort auch zu einem beliebten Ausflugsziel für Tagesbesucher. Abzuraten ist der Besuch des Herzstückes der Grajischen Alpen im August, ab "Ferragosta", der Hauptferienzeit der Italiener, gleicht dieses Idyll einem Rummelplatz.

 
Am Parkplatz beim Albergo Gran Paradiso
 

Hier am Parkplatz vor dem Albergo Gran Paradiso werden die Rucksäcke gepackt. Von hier ist auch der kürzeste Anstieg auf den Gran Paradiso über das Vittorio Emanuele II. Der Anstieg führt vom Parkplatz über die Brücke auf die andere Talseite und auf breitem Weg  etwa 20 Minuten talaufwärts. Dann links (Schild - Markierung) auf gutem Weg in steilen Kehren durch den vorerst noch dichten Wald hinauf. Der Weg wird sehr gut instand gehalten, an heiklen Stellen, wo Ausschwemmungsgefahr besteht, ist er fast durchgehend mit Felsblöcken gepflastert. Allmählich lichtet sich der Wald und es eröffnen sich herrliche Tiefblicke in das schon tief liegende Valsavaranche. Hier werden auch wieder die Erinnerungen an frühere Besteigungen des Gran Paradiso wach.

 
Aufstieg zu Rifugio Vittorio Emanuele II
 

Nach etwa einer Stunde hat man den Waldbereich gänzlich verlassen. Steigt man schon in der Mittagszeit auf, ist es gut, ausreichend Getränke mitzuhaben. Der Gebirgsstock des Gran Paradiso erhebt sich südlich der beiden höchsten Alpenmassive, des Mont Blanc und des Monte Rosa. Nach Südosten geht er ohne vorgelagerte Hügellandschaft unmittelbar in die Ebene des Piemont über. Charakteristisch für das Massiv sind tiefe Taleinschnitte mit steilen Felshängen, spitze Berggipfel und schmale Grate. Zum Teil ist es mit mächtigen Gletschern bedeckt. Es liegt im Gran-Paradiso-Nationalpark, der aus einem 1856 zum Schutz des Alpensteinbocks geschaffenen Jagdreservat hervorgegangen ist. Dieser Nationalpark ist der älteste Italiens und der zweitälteste in den Alpen.

 
Wasserfall von der Moncorve Hochfläche
 

Die Kante, von der der Wasserfall herabstürzt, ist schon fast erreicht. Trotzdem ist erst knapp die Hälfte des Anstieges geschafft. Der Wasserfall wird vom Schmelzwasser des bereits sehr stark abgeschmolzenen Paradiso Gletschers gespeist. Nach dem ersten steilen Abschnitt des Anstieges wird der Weg nun etwas flacher. Mulden und Gräben ausgehend, schlängelt sich der Weg empor. In diesem Bereich weiden auch Herden von Bergziegen und man bekommt auch Begleitung von neugierigen Steinböcken, vor allem von Muttertieren und ihren Jungen, die bis auf wenige Meter herankommen. Wenn sie dann den Weg freimachen und man glaubt sie abgeschüttelt zu haben, bei der nächsten Kehre schauen sie wieder leicht verächtlich  von oben auf die sich mühsam empor plagenden Touristen herab.  

 
Steinbock Muttertier mit Nachwuchs
 

In den Alpen lebt der Steinbock auf der Höhe zwischen der Wald- und Eisgrenze, dabei steigt er bis in Höhen von 3500 m auf. Niemals begibt er sich in Wälder. Im Winter bleibt er allerdings in tieferen Lagen als im Sommer, und auch im Sommer steigt er zum Fressen oft auf alpine Wiesen ab, während er zum Übernachten die großen Höhen aufsucht. Eine Steinbockherde setzt sich aus zehn bis zwanzig Weibchen und Jungtieren zusammen. Daneben gibt es die weniger stabilen Junggesellenherden noch nicht ganz ausgewachsener Böcke sowie einzeln lebende alte Böcke. Zur Fortpflanzungszeit (Dezember/Januar) suchen die Böcke die Weibchen auf und versuchen, Kontrolle über die Herde zu erlangen. Zwischen konkurrierenden Böcken kommt es dabei zu Kämpfen. Ein Bock muss mindestens sechs Jahre alt sein, um eine Chance zu haben, diese Kämpfe zu überstehen und einen Harem zu gewinnen. Über den Winter bleibt der Bock bei der Herde und verlässt sie aber im Frühling.

 
Die letzten Höhenmeter
 

Zuerst rückt der Ciaforon ins Blickfeld, dann sieht man auch die Stange und die letzte gemauerte Kehre, nach der man endgültig die Moncorve Hochfläche erreicht. Die letzten Höhenmeter haben sich gezogen, doch dann taucht plötzlich die Hütte auf, die man in wenigen Minuten erreicht. Hier verlassen uns auch die Steinböcke, um dann abends wieder ungeniert in der Nähe der Hütte aufzutauchen und die Touristen zu beäugen. Für den Anstieg Pont - Albergo Gran Paradiso auf dem breiten Maultierpfad zur Schutzhütte sollte man, obwohl der Weg sehr gut angelegt ist, 2 - 2,5 Stunden reine Gehzeit  veranschlagen und sich auch Zeit nehmen, die Bergziegen, Steinböcke und vor allem das herrliche Panorama zu bewundern.

 
Ciaforon (3642 m) von der Terrasse des Rifugio Vittorio Emanuele II
 

Der Ciaforon, von der Terrasse des Refugio Vittorio Emanuele II  gut sichtbar (im Gegensatz zu dem nicht sichtbaren Hauptgipfel der Grajischen Alpen), ist das Schaustück der Hütte und ein sehr lohnender Gipfel des Gran Paradiso Massivs. Es ist ein Doppelgipfel, der eine (3640 m) trägt ein Signal, der andere (3642 m) bildet eine weite Schneehaube, auf der laut dem Gegenfurtner Gran Paradiso-Führer (Auflage 1974) "eine Kompanie Soldaten manövrieren könnte". Über NW-Grat oder NO-Grat als Normalanstiege (auch eine Überschreitung ist möglich), erreicht man in etwa 4,5 bis 5,5 Stunden diesen markanten Gipfel. Wer länger im Gran Paradiso-Gebiet verweilt, sollte diese Tour nicht auslassen. 

 
Rifugio Vittorio Emanuele II (2732 m)
 

Das Rifugio Vittorio Emanuele II, benannt nach Viktor Emanuel II., der den Gran-Paradiso-Nationalpark einrichtete, ist normalerweise Ausgangspunkt für die Besteigung des Gran Paradiso. Das in Form einer "Luftschiffhalle" errichtete Haus, eine Halbtonne mit Aluminiumdach, ist, was Einrichtung der Lager und die Sanitäranlagen betrifft, natürlich nicht mehr am letzten Stand. Obwohl als Hauptstützpunkt für den höchsten eigenständigen, nicht im Grenzgebiet zu Frankreich oder der Schweiz liegenden,  Berg Italiens meist sehr stark frequentiert, strahlt diese Hütte trotzdem eine Art Geborgenheit aus. Die Verpflegung ist gut und die Betreuung durch das Hüttenpersonal ist  freundlich und professionell (Stand Juli 2006). Oberhalb des Rifugio steht noch die alte Hütte, die auch noch Reservelager bietet. Eine Vorreservierung von Plätzen ist vorteilhaft: Vittorio Emanuele II. Ein kleiner See unterhalb des Hauses und Felsblöcke laden zu einem entspannenden Rasten und "Baumeln mit der Seele" ein. 

 
Gipfeltag
 
Aufstieg zur Anseilstelle - Alter Sommerweg über Felsrücken
 

Die Erstbesteigung des Gran Paradiso erfolgte am 4. September 1860. Die Besteigung gilt bei normalen Verhältnissen bis auf die letzten 60 Meter zum Gipfel als relativ einfach. Der Anstieg beginnt zwischen Rifugio und alter Hütte (Wegweiser). Schon am Vorabend den ersten Teil des Anstieges zu erkunden, bringt beim nächtlichen Aufbruch des Folgetages Vorteile. Der "Weg" führt zuerst in nordöstlicher Richtung über eine große Trümmerzone, mit Steindauben und spärlichen Farbtupfen bezeichnet, zu einem kleinen grasbedeckten Plateau. Von dort führen bereits deutliche Steige weiter. Entweder rechts (Ostrichtung) in das vom Paradiso Gletscher bereits "verlassene" Gletschertal hinauf zum Gletscherbeginn (Firnfelder), oder besser gerade hinauf auf  die rechte Seitenmoräne des Paradiso Gletschers. Die Seitenmoräne wird immer am Kamm bleibend bis zu ihrem Ende weiterverfolgt. 

 
Anseilstelle am Rand des Laveciau Gletschers
 

Am Ende der Seitenmoräne kommt man, rechts das Gletschertal an seinem Ende hinüberquerend, zu den Ausläufern des Paradiso Gletschers und über diesen hinauf (meist gute Trasse) zum "Schiena del Asino", Vereinigung des Paradiso- mit dem Laveciau Gletscher. Dieser Weg (Winterweg) ist etwas länger und eintöniger, dafür aber sicherer. Die andere Variante (Alter Sommerweg) wendet sich am Ende der Seitenmoräne nach links, eine kleine Wandstelle wird unschwierig erklettert, um anschließend über einen Felsrücken (Steindaubenmarkierung) zum Rand des nördlich liegenden Laveciau Gletschers aufzusteigen. Ab hier braucht man Seilsicherung und Steigeisen. Nach einem kurzen Abstieg über Geröll oder Schneefelder steht man auf dem Laveciau Gletscher.

 
Laveciau Gletscher
 

Dieser früher übliche Weg über den oberen Teil des Laveciau Gletschers wird zurzeit hauptsächlich von der unterhalb der Endzunge des Laveciau Gletschers liegenden Schutzhütte begangen. Während unserer Vorbereitungen am Gletscherrand konnten wir einen "Menschenwurm" von sicherlich an die hundert Bergsteiger auf dieser Route ausmachen. Mindestens eben so viele Gipfelaspiranten waren in der "Künette" am Paradiso Gletscher unterwegs, nur auf unserer Route waren wir bis jetzt eher einsam. Nach Querung des sehr spaltenreichen Gletschers, die Route am linken Rand ist derzeit nicht gangbar, erfolgte das Einordnen in die Spur am Ende des "Menschenwurms". Diese Route ist sicherlich im Anstieg sowohl kürzer als auch interessanter, jedoch auch steiler und von der Spaltengefahr her nicht zu unterschätzen.

 
Nach dem "Schiena del Asino"
 

Nach Vereinigung beider Anstiege am "Schiena del Asino" geht es etwa 100 m höher nach links in stärkerer Steigung hinauf zu einem Firngrat, der scharf gegen die Becca di Moncorve nach rechts hinaufführt. Ein Stück diesen Grat entlang, dann hält man sich wieder links, direkt in Richtung Norden, ständig am Gletscher bis zur Randkluft, die meist problemlos zu überschreiten ist. Nach der Überschreitung der Randkluft zieht ein ziemlich steiles Schneefeld zu den ersten Felsen des Gipfelgrates. Dann hat man es auch schon fast geschafft.

 
Letzte Steigung vor dem Gipfelgrat
 

Nochmals eine letzte steilere Passsage, im Hintergrund ist schon der Gipfelgrat sichtbar. Die weiten, größtenteils spaltenarmen Gletscherhänge machen den Gran Paradiso auch zu einem beliebten Schitourenberg: hier ein Tourenbericht der "Naturfreunde aus Gratwein":

"Mit weiteren vier Bergsteigern waren wir Anfang April eine Woche lang in einem zwar weit entfernten, aber umso schöneren Schitourengebiet unterwegs. Die Schnee- und Wetterverhältnisse in dieser Woche ließen wirklich das Gefühl eines zumindest alpinen Paradieses aufkommen. Unser Ziel war nämlich das Aostatal im Grenzgebiet Italien / Frankreich mit dem Höhepunkt der Besteigung des Gran Paradiso mit seinen 4061 Metern. Obwohl täglich zwischen 1400 und 1800 Höhenmeter auf dem Programm standen, waren wir aufgrund der traumhaften hochalpinen Landschaft und des anhaltenden Schönwetters täglich neu motiviert, diese Strapazen auf uns zu nehmen, zumal wir auf den Gipfeln ständig einen 360 Grad Rundblick hatten, wie er schöner nicht sein kann. Mt. Blanc und Matterhorn sind nur ein Teil dieser gewaltigen Gebirgslandschaft der Westalpen. Die ersten Tage waren wir in dem Ref. Benevolo einquartiert. Von dort unternahmen wir Touren auf den Pt. Sassiere (3870 m) und den Treversiere (3496 m). Nach dem Hüttenwechsel auf das Ref. Vittorio Emanuele II bestiegen wir den La Trasenta (3609 m) und schließlich, bei zwar stürmischen Wetter aber in Begleitung eines strahlend blauen Himmels, den Gran Paradiso."

 
Tiefblick zum "kleinen" Ciaforon (3642 m)
 

Verhältnismäßig klein schaut nach Erreichen des Gipfelgrates der Ciaforon aus. Ab hier beginnen auch die letzten technisch etwas schwierigeren Meter zum Gipfel. Das Hauptproblem liegt jedoch eher darin, überhaupt am Grat weiterzukommen. Längere Wartezeiten sind einzurechnen, da am ausgesetzten Grat, trotz eines Fixseils auf einem ausgesetzten horizontalen Band, meist ein Stau entsteht, vor allem, wenn wie an diesem Tag, vorsichtig geschätzt, an die dreihundert Gipfelanwärter am bzw. knapp unterhalb des Gipfels des Gran Paradiso im Stau stehen.

 
Peter B. am ausgesetzten Gipfelgrat
 

Schon vom Gipfelgrat hat man eine grandiose Aussicht nach allen Seiten: im Norden liegen die gesamten Penninischen Alpen, besonders gut sichtbar Matterhorn, Monte Rosa Gruppe, Gran Combin bis hinüber zu den weiter entfernten Schweizer Randbergen. Genau gegenüber steht in voller Wucht die ganze Mont Blanc Gruppe zum Greifen nahe. Im Südwesten sieht man deutlich die Cottischen Alpen mit der markanten Pyramide des Monte Viso, die französischen Seealpen und natürlich die gesamten Grajischen Alpen. Besonders eindrucksvoll ist der Tiefblick zum Tribulazione Gletscher und auf die Lombardische Tiefebene mit ihren Städten und Dörfern. Es lohnt sich wahrlich, eine gute Panoramakarte bei der Hand zu haben, um alles, was man von diesem Punkt aus zu sehen bekommt,  auch einordnen zu können.

 
Der überlaufene Gipfel - Helmut P. und Karl H.
 

Nach einem Anstieg von 4 bis 6 Stunden reiner Gehzeit, je nach Route, Wetter- und Schneebedingungen steht man am Gipfelgrat. In etwas ausgesetzter Kletterei erreicht man den Gipfel und die dort befindliche Madonnenfigur. Der eigentliche Gipfel ist einige Meter höher und man erreicht ihn mäßig schwierig (II) über die der Madonna folgenden Felsen. Als Abstieg bietet sich ein Abklettern von der Madonna über ein Fixseil in Falllinie auf ein Band unterhalb des Grates auf der Südwestseite an. Von dort kann man über leichte Felsen oder Schnee problemlos zur Anstiegsroute zurückqueren. 

 
 Herzlichen Dank an meine Begleiter für die Zur-Verfügung-Stellung einiger Photos für diese Website.
 

Empfohlene Literatur: Gerd Klotz, Gran Paradiso, Bergverlag Rother, Erscheinungsjahr: 2005, ISBN: 3763324070

Empfohlene Karte: Gran Paradiso, Valle d' Aosta, Wander- und Skitourenkarte. 1 : 50.000, 17. Aufl. 2004. Beilage: Kompass Lexikon Italienisch - Deutsch

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