San Michele

Friedhofsinsel

 

 

Der Zauber Venedigs ist seit der Zeit der Romantik mit dem Tod verbunden. Die trügerische Schönheit der Lagunenstadt und ihre Todessehnsucht hat viele Dichter und Denker zu Visionen von Todesfantasien, langsamem Verfall und melancholischer Vergänglichkeit inspiriert. Auf der Isola San Michele, die Insel der Toten Venedigs, verdichten sich die Bilder.

     

Vom Fondamenta Nuove gehen häufig Boote Richtung San Michele, etwa fünf Minuten dauert die Überfahrt. Die Vaporettos legen dann wieder fünf Minuten später auf Murano an. Die Friedhofsinsel San Michele bereitet ihren Besuchern einen feierlichen Empfang. Hinter den Ziegelsteinmauern ragen der Glockenturm und hohe, dunkelgrüne Zypressen majestätisch in den Himmel.

 
     
 

Die Kirche und das Kloster auf der Isola San Michele stammen aus dem 15. bis 16. Jahrhundert. Die Kirche in San Michele ist das erste Gotteshaus der Renaissance in Venedig. Blendend weißer Kalkstein aus Istrien wurde hier erstmals für Bauten verwendet und setzte sich in Folge als Baustoff in ganz Venetien durch. Auch der Rundbau der Kapelle Emiliana wurde aus istrischem Kalkstein errichtet, die Fassade hingegen besteht aus verschiedenfarbigem Marmor. Der elegante gotische Kreuzgang führt zum Friedhof, der in seiner heutigen Form auf Napoleon zurückgeht. Bis zur französischen Besatzung wurden die Verstorbenen in den Kirchenfriedhöfen der Stadt beigesetzt.

     

Aus hygienischen Gründen wurde im Jahr 1804 auf Befehl Napoleons ein Zentralfriedhof außerhalb des Stadtbereiches geplant und die Insel San Michele dafür ausgewählt. Lange Zeit wurden die Verstorbenen in einem feierlichen Zug mit schwarzen Gondeln zu ihrer letzten Ruhestätte übergesetzt. Jetzt fährt das Vaporetto, aber nicht allzu oft. Eine Grabstätte auf der Insel zu bekommen ist mittlerweile sehr kostspielig. Die Plätze sind rar geworden.  

 
     
 

Durch Aufschüttungen wird zurzeit das Areal vergrößert. Den Friedhof zu besuchen, auf dem auch sehr viele ausländische Berühmtheiten ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, ist fast ein Pflichttermin für den Venedig-Besucher. Aus Gründen der Pietät, vor allem wenn man Photos machen will, ist, auch wenn noch so verlockend, weil auch interessant, gerade Allerheiligen nicht so angebracht.