Semmering

Bahnwanderweg vom Bhf. Semmering nach Gloggnitz

Diese Website will nur dazu anregen, sich mit den "Zauberbergen" auseinanderzusetzen. Die Niederösterreichische Landesausstellung, "Die Eroberung der Landschaft",  im Jahr 1992 im Schloss Gloggnitz war für mich Anlass, im Rahmen einer Exkursion mit meinen SchülerInnen diesen Weg zu begehen und auch die Ausstellung zu besuchen. Am Ende der Website sind für Interessierte Literaturangaben und auch Links angeführt, die über kulturhistorische und technische Details, Bahnbau, Erschließung von Rax und Schneeberg und die Kulturszene am Semmering ausführlich informieren.

 

Am Bahnhof Semmering, unmittelbar vor dem Scheiteltunnel, startet diese Wanderung. Zwischen Gloggnitz und Semmering  und weiter bis Mürzzuschlag verkehren im Stundentakt moderne Triebwagenzüge, die an allen Stationen halten. Der genaue Fahrplan, bzw. andere Zugsverbindungen, wie die der Nostalgiezüge an Wochenenden, kann man der HP der ÖBB entnehmen. Auch für die Kreuzberg-Schitour, von Breitenstein über Speckbacherhütte nach Payerbach-Reichenau ist die Semmeringbahn sehr brauchbar.

Bahnhof Semmering - Alte Triebwagengarnitur

   
     

Vom Bahnhof aus geht der Weg zuerst oberhalb der Bahntrasse, vorbei beim "Kinderbahnhof" (Spielplatz), bis zu einer Unterführung. Dann wechselt der Steig auf die Talseite und führt Richtung Haltestelle Wolfsbergkogel. Von dort gibt es einen markierten Steig gleich rechts direkt hinunter in die Adlitzgräben, zur Straßenschleife (Abkürzung über Affensteig) und zur kleinen Siedlung mit verfallenem Wirtshaus, wo links  über den Lechnergraben aufsteigend wieder die Bahntrasse erreicht wird.

 

   

Altes Kurhaus - Informationstafel Bahnwanderweg

     

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Am Weg zum Wolfsbergkogel

 

Doppelreiterwarte am Wolfsbergkogel

     

Der "Original Bahnwanderweg" ist ein "schöner" Umweg, etwa eine Stunde länger, aber sehr interessant. Man geht noch ein Stück weiter bergauf und dann unterhalb des "Alten Kurhauses" in Richtung Wolfsbergkogel und Doppelreiterwarte. Die Aussicht von der Warte lohnt diesen Abstecher, man überblickt das gesamte Semmeringgebiet.

 

Nach der Warte dreht sich der Weg (Markierungen in diesem Bereich zum Teil verwirrend) in spitzem Winkel nach links auf die Nordhänge des Wolfbergkogels, um dann auf Markierung grün hinunter nach Breitenstein zu leiten. Der Weiterweg führt entweder über den Bhf. Breitenstein oder über Adlitzgräben hinaus und über den Lechnergraben zur Bahn zurück.

     
 

Östlich von der Weinzettlwand vereinigen sich wieder beide Routen. Auf dem Weg nach Klamm und weiter zur Haltestelle Klamm-Schottwien wandert man zuerst oberhalb der Bahn, dann wechselt der Weg auf eine große Wiese unterhalb der Bahnstrecke. Hier am Beginn der Wiesenquerung gibt es eine Rastbank, die man zu einer Pause mit Jause nützen sollte. Einerseits hat man die Hälfte des Weges hinter sich, andererseits gibt es an der ganzen Strecke kaum Einkehrmöglichkeiten.

Blick von der Warte zur Weinzettlwand

   
     

Hier auf dieser gemütlichen Rastbank hat man einen schönen Blick hinüber zum Ort Klamm. Man sieht aus Richtung Payerbach die Züge aus dem kleinen Tunnel kommend bergwärts fahren. Besonders die langsam fahrenden, langen Güterzüge sind imponierend. Endlos langsam verschwindet ein Waggon nach dem anderen im nächsten Tunnel, und kaum ist der Zug im Tunnel verschwunden, fährt die Zugspitze mit den beiden Lokomotiven schon knapp oberhalb unseres Rastplatzes weiter bergwärts.

 
   

Viadukte und Tunnels in den Adlitzgräben

     

 

Im Jahr 1854, als die Semmeringbahn dem Verkehr übergeben wurde, war ein Riesenprojekt verwirklicht worden. Es war eine Materialschlacht gewesen; sechzehn große Viadukte, fünfzehn Tunnels und Galerien durch die Felswände der Adlitzgräben, 1,4 Millionen Kubikmeter gesprengter Stein und ebensoviel behauener Stein, alle Sprengarbeiten noch ohne Dynamit, sondern nur mit Schwarzpulver. Von den knapp 20 000 Arbeitern fielen etwa 1 000 Arbeiter Seuchen oder Arbeitsunfällen zum Opfer.

Viadukt Richtung Kalte Rinne  und Rax   - Informationstafel Bahnwanderweg

   
     

Aber auch die Planung des Projekts war schon eine Ideenschlacht. Nachdem im Jahr 1842 die Staatsbahn Carl Ritter von Ghega und seinen Mitarbeitern die Arbeiten zur Projektierung der Südbahn übertragen hatte, wurden unzählige Varianten für die Überquerung des Semmerings erörtert, wobei noch nicht einmal geeignete Gebirgslokomotiven zur Verfügung standen und auch Erfahrungswerte für die Trassierung fehlten. Die Verbindung von Schwarza- und Mürztal stellte die damaligen Ingenieure vor große Herausforderungen.

 
   

Viadukt Richtung Kalte Rinne  und Rax

     
 

Die Schottwientrasse mit 33 Promille Steigung, die Neunkirchner Variante über Kranichberg und Maria Schutz, die Eichbergtrasse, die Tunneltrasse durch die Kampalpe, die Tunneltrasse durch das Preiner Gscheid und eine Standseilbahntrasse standen zur Diskussion. Eine Spitzkehren-Gebirgsbahn, ein Projekt von Negrelli, wie es später bei einigen Bahnen, vor allem in den Anden, verwirklicht wurde, stand ebenfalls zur Debatte. Die modifizierte Eichberg-Trasse von Ghega kam schließlich zur Ausführung.

Bahntrasse im Bereich Klamm

   
     

Diese 41 Kilometer lange Trasse führt in langen weiten Schleifen auf den damals mit 895 m höchsten Scheitelpunkt einer Bahnstrecke. Die an antike Vorbilder erinnernden Steinbogenviadukte prägen das monumentale und zugleich auch romantische Bild der Semmeringbahn. Der Chefingenieur Carl Ritter von Ghega, geboren am 10.1.1802, stammte aus Venedig und war bereits mit siebzehn Jahren Doktor der Mathematik. Nach einigen Jahren im Straßen- und Wasserbau widmete er sich dem Bahnbau.

 
   

Viadukt im Bereich Klamm

     
 

Nach der Schleife vom Eichberg über Payerbach-Reichenau kehrt die Bahn zurück nach Gloggnitz. Oberhalb der Stadt thront das Schloss Gloggnitz. Im Jahr 1094 erstmals urkundlich erwähnt, wurde es in Folge befestigt und ein Zufluchtsort für die Bevölkerung in Notlagen. Das Schloss ist auch der Endpunkt dieser Wanderung. Nach ca. 20 - 23 Kilometer und 4 - 5 Stunden Gehzeit hat man nur noch zusätzlich gute 20 Minuten durch die Stadt bis zum Ausgangspunkt, den Bahnhof. Hier gibt es ein gutes Wirtshaus zur Regenerierung.

Schloss Gloggnitz

   

Diese Streckenwanderung ist zwar technisch recht einfach, bisweilen schmälere Wege, aber auch Forststraßen und kurze Passagen auf asphaltierten Straßen. Im Hochwinter jedoch kann diese Route eher mühsam oder sogar unpassierbar sein.

Karten:

Schneeberg und Rax, Topographische Karte 1 : 25 000, Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen (Diese Karte ist die beste für diese Route, nur die ersten 100 m ab Bhf. Semmering liegen außerhalb des Blattschnittes)

 Literatur:

Links:

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